Kapitel 6: Drittelteilung und Goldener Schnitt

auch für Kompaktkameras!

Kapitel 6: Drittelteilung und Goldener Schnitt

Beitragvon rst » So 4. Jul 2010, 16:54

Nachdem wir im letzten Kapitel recht ausführlich darüber gesprochen haben wie man es nicht macht, wollen wir uns heute mit einem Aspekt der Bildkomposition beschäftigen. Also einer Möglichkeit, wie man es machen könnte.

Wie man sich leicht vorstellen kann ist das Problem einer ausgewogenen und harmonischen Ansicht nicht eines, welches allein die Fotografie betrifft. Vielmehr ist es so, dass bildende Künstler (Maler, Bildhauer) und Architekten bereits vor dem Problem standen, als noch keiner an die Fotografie auch nur dachte.

Einen der Wege zu einem ästhetischen Gesamtbild weißt bereits seit der Antike der goldene Schnitt.

Goldener Schnitt
Mathematisch gesehen bezeichnet der Goldene Schnitt das Teilungsverhältnis einer Strecke A in zwei Teilstrecken B und C, sodass gilt: A:B = B:C. Das Ergebnis ist etwa 1,618.

Und was soll das?

Schon in der Antike galt die Teilung einer Strecke nach dem goldenen Schnitt als besonders ästhetisch und harmonisch. Sie fanden dieses Teilungsverhältnis in der Natur und im menschlichen Körper wieder, und meinten dies sei der Grund warum es als besonders angenehm empfunden werde. Im Mittelalter war gar die Rede von der „Göttlichen Teilung“ .

Der goldene Schnitt besagt nichts anderes als das hervorstechende Bildteile nicht in die Mitte das Bildes platziert werden sollten, sondern leicht aus der Mitte versetzt. In der Fotografie wird der goldene Schnitt üblicherweise zur Drittelteilung vereinfacht. Das Bild wird dabei längs und quer durch (gedachte) Linien gedrittelt. Auf einem der vier entstehenden Linienschnittpunkten (oder in dessen Nähe) sollte dann das Hauptmotiv angeordnet werden.

Eine solche Anordnung wird auch heute noch als wesentlich harmonischer und auch dynamischer empfunden, als die langweilige und statische Anordnung im Bildmittelpunkt.


Ihr denkt jetzt sicher, was das wieder für ein theoretischer Kram ist. Drittelteilung. Oder im Verhältnis 1,618. Unter Verhältnis verstehe ich etwas anderes.

So schlimm und schwierig, wie es sich anhört, ist es gar nicht. Viele Kompaktkameras unterstützen die Drittelteilung indem sie Hilfslinien auf dem Display anzeigen und so die Bildkomposition unterstützen. Üblicherweise muss man im Aufnahmemodus nur ein- oder mehrmals die DISP-Taste betätigen, schon erhält man ungefähr solch ein Bild:

[align=center]Bild[/align]

Die Angezeigten Hilfslinien mit den verdickten Schnittpunkten erleichtern das Positionieren ungemein.

Aber auf welchem der vier Schnittpunkte soll mein Hauptmotiv liegen?

Das lässt sich so nicht beantworten. Aber ein paar Hinweise kann man geben. Lauf- und Blickrichtungen sollen ins Bild hinein führen. Läuft oder schaut oder orientiert sich jemand oder etwas nach rechts, ist einer der linken Schnittpunkte angezeigt. Auch Linien und Strukturen im Bild, die zu Fluchtpunkten führen sollten ins Bild hineinweisen. Natürlich ist nicht immer alles anwendbar.

Außerdem müssen wir zunächst versuchen, grobe Fehler zu vermeiden.

Nun aber auf zur Praxis.

Betrachten wir folgende Aufnahmesituation:

[align=center]Bild[/align]

Die Teilungslinien auf dem Bild sind gegimpt, das Bild selbst ist mit einer Spiegelreflexkamera aufgenommen, was aber beim Thema Bildkomposition keinerlei Bedeutung hat.

Zunächst einmal machen wir uns klar, was wir eigentlich wollen. Als Bildbestandteile sollen die Furchen mit den jungen Pflanzen dazwischen, der Baum und die "dramatische" Wolkenbildung eingefangen werden.

Also was ist zu tun? Durch den Standpunkt haben wir viel Vordergrund (Feldrand) auf dem Bild und keine Betonung der Feldfurchen. Wir machen also ein paar Schritte vorwärts, schmeissen uns in den Dreck, rücken den Baum aus der Bildmitte, drücken den Auslöser und erhalten:

[align=center]Bild[/align]

Wir sehen ein deutliches Mehr an Spannung und Bildaussage. Das Feintuning (hier nur in Bezug auf den Bildausschnitt) erfolgt dann mit GIMP.

[align=center]Bild[/align]

Wie kann ich Bilder verbessern, bei deren Aufnahme ich diese Regeln nicht beachtet habe oder diese
Regeln nicht beachten konnte da ich zum Beispiel wegen eines nachführenden Autofokus das Motiv in der Mitte (im Autofokusfeld) halten musste?

Das könnte dann beispielsweise so aussehen:

[align=center]Bild[/align]

Auch hier: Die Teilungslinien auf dem Bild sind gegimpt, das Bild selbst ist mit einer Spiegelreflexkamera aufgenommen, was aber beim Thema Bildkomposition keinerlei Bedeutung hat.

Wir öffnen das Bild mit GIMP, wählen das Werkzeug zuschneiden und stellen im unteren Bereich der Werkzeugeinstellungen von "keine Hilfslinien" auf "Drittelregel" um. Dann beginnen wir mit dem Zuschnitt. Das könnte dann etwa so aussehen:

[align=center]Bild[/align]

Da die Blüte leicht nach rechts schaut, bieten sich die linken Schnittpunkte an. Ich habe mich für den oberen entschieden, weil so mehr Motiv auf das Bild kommt. GIMP berechnet die Hilfslinien bei jeder Änderung des Zuschnitts neu. Man kann also sehr schön probieren und die Bildwirkung einschätzen.

Das Bild nach erfolgtem Zuschnitt:

[align=center]Bild[/align]

Auch ein deutliches Plus an Dynamik und Bildwirkung. Allerdings musste dafür das ursprüngliche 3:2 Format aufgegeben werden.

Als Übung zu diesem Abschnitt empfehle ich die oben skizzierte Änderung des Bildausschnittes mit dem Ziel der Drittelteilung an einigen eigenen Bilder vorzunehmen. Ihr solltet dazu Bilder aussuchen auf denen neben dem Hauptmotiv noch Hintergrund zu sehen ist.
Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. >>Albert Einstein 1954<<
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