Kapitel 7: Landschaftfotografie I

auch für Kompaktkameras!

Kapitel 7: Landschaftfotografie I

Beitragvon rst » So 11. Jul 2010, 17:28

Landschaftsfotografie, Teil 1

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Der geografische Landschaftsbegriff gilt als relativ neu und wird Alexander von Humbold zugeschrieben, der damit den „Totalcharacter einer Erdgegend“ bezeichnet haben soll. Im alltäglichen Umfeld verbinden wir mit dem Begriff Landschaft Attribute wie Harmonie, Schönheit, Einheitlichkeit, Ganzheit, Eigentümlichkeit, Vielfalt und Abgrenzbarkeit (vergl. Gerhard Hard: Die Landschaft der Sprache und die ‚Landschaft‘ der Geografen. Semantische und forschungslogische Studien. Bonn 1970).

Die Landschaftsfotografie beschäftigt sich nun mit der Abbildung „sichtbarer Ausschnitte der Erdoberfläche, die von einem Punkt aus überschaubar sind“ dergestalt, dass die Bildwirkung die oben erwähnten Attribute hervorhebt. Hier folgt sie in Teilen den Ideen der Landschaftsmalerei, die sich im 17. Jahrhundert in den Niederlanden entwickelte.

Wir wollen uns in diesem Kapitel mit der Fotographie von Natur- und Kulturlandschaften widmen. Technische Landschaftselemente (Bebauung, Infrastruktur), sollen dabei im Hintergrund bleiben. Die Beispielbilder stammen aus meinen Beständen. Sie sind überwiegend mit Bridge- und DSLR-Kameras aufgenommen. Da wir uns in diesem Kapitel jedoch mit den gestalterischen Möglichkeiten bei Landschaftsaufnahmen auseinandersetzen wollen, sehe ich darin keinen Nachteil.

Im Gegensatz zu anderen Kapiteln dieses Fotokurses hat dieses keinen roten Faden. Wir skizzieren die Ausrüstung und betrachten dann ich willkürlicher Reihenfolge verschiedene Aspekte der Landschaftsfotografie.

In der Landschaftsfotografie finden neben dem Teleobjektiv für Ausschnitte und Detailansichten hauptsächlich Weitwinkelobjektive Verwendung, die ein größeres Blickfeld abbilden. Hier sind Brennweiten (alle Angaben im Kleinbildäquivalent) von 35mm, 28mm, und 24mm üblich. Leider sind viele unserer heutigen Kompaktkameras in diesem Bereich schwach ausgestattet. Oft reicht das eingebaute Zoom nur bis 35mm Kleinbildäquivalent und Weitwinkelkonverter sind, wenn überhaupt für den jeweiligen Kameratyp verfügbar, oft unverhältnismäßig teuer. Empfohlen wird ferner der Einsatz eines Statives. Hat eine Kompaktkamera keine Anschlussmöglichkeit für einen Kabelauslöser, benutzen wir ersatzweise den Selbstauslöser, um längere Belichtungszeiten ohne Verwackeln zu realisieren.

Aspekt 1: Licht

Viele Profifotografen, die Landschaftsfotografie betreiben, lassen wegen des weicheren Lichtes und der oft besonderen Farbstimmung nur Aufnahmen in der Morgen- oder Abenddämmerung gelten. Das Tageslicht gilt ihnen als zu hart und damit als zu kontrastbetonend.

Und tatsächlich lassen sich in Morgen und Abenddämmerung Stimmungen einfangen, die im grellen Licht der Mittagssonne einfach nicht existieren.

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Das Bild entstand an einem Wintermorgen direkt vor der Haustür. Durch das eingesetzte Teleobjektiv rücken die Hügel näher heran und der Dunst wird optisch verdichtet.

Ein ähnlich weiches und farbiges Licht findet sich in der Abenddämmerung. Als Beispiel hier ein Bild, aufgenommen vom Ufer des Harkortsees aus. Es zeigt das Eisenbahnviadukt in Herdecke sowie die Einmündung der Ruhr in den See in der winterlichen Abendsonne.

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In der Dämmerung können darüber hinaus reizvolle Silhouetten aufgenommen werden, indem man gegen die Auf- oder Untergehende Sonne fotografiert. Hier noch einmal der Harkortsee, diesmal das gegenüberliegende Ufer mit Baumbestand und Hochspannungsmasten. Die hellen Unregelmäßigkeiten am Himmel sind Flugzeuge, die Kondensstreifen erzeugen.

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Aspekt 2: Tiefenwirkung

Ein gelungenes Landschaftsfoto umfasst, nach Entfernung gestaffelt, drei Bereiche: Vordergrund, Mitte und Hintergrund. Amateurfotografen wird nachgesagt, den Bereich Vordergrund häufig nicht zu berücksichtigen und so suboptimale Bildergebnisse zu produzieren. Hier ein Beispiel für solch einen Langweiler aus eigener Kamera:

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Das Bild wurde mit einer Kompaktkamera (Olympus Mju 830) in den Feldern rund um Wetter (Ruhr) aufgenommen.

Grüne Hölle vor Wolkenhimmel. Ich kann nicht mehr sagen, was ich mir dabei gedacht habe – wahrscheinlich nichts. Das Bild bekäme einen ganz anderen Charakter, wären im Vordergrund Mohnblumen oder ähnliches zu sehen.

Hier zwei Bilder an denen man den typischen Aufbau mit Vordergrund – Mitte – Hintergrund gut ablesen kann.

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Das Bild wurde mit einer Bridge (Panasonic FZ-50) in Friesland, Niederlande aufgenommen. Vordergrund: Weide; Mitte: Gatter, Windrad, Person; Hintergrund: Wolkenhimmel

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Das Bild wurde mit einer DSLR (Sony Alpha 700, Sony SAL 16105) aufgenommen. Es zeigt den Blick vom Harkortberg in Wetter über den Harkortsee in Richtung Herdecke. Vordergrund: Sträucher; Mitte: See, Ruhrtal, Kuno-Kraftwerk, Eisenbahnviadukt; Hintergrund: Himmel

Das vorstehende Bild gibt uns einen Hinweis, wie wir die räumliche Tiefe durch Einbau eines Vordergrundes auch bei Motiven erreichen, die auf den ersten Blick keinen Vordergrund zu haben scheinen: Wir erzeugen einen Vordergrund, indem wir unsere Aufnahmeposition und den Bildausschnitt so ändern, dass wir einen Vordergrund bekommen.
Das Bild vom Eisenbahnviadukt weiter oben ist ein Beispiel für diese Technik, die auch Umrahmen genannt wird. Besonders geeignet sind Pflanzenteile oder auch Teile von Mauern oder Zäunen.

Als ich im Frühjahr unterwegs war, die ersten langsam erblühenden Rapsfelder fotografieren – es zeigte sich erst ein Hauch von Gelb auf den grünen Feldern - hatte ich im Rücken eine schöne Aussicht auf das Tal, in dem ich wohne.

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Das Bild wurde mit einer DSLR (Sony Alpha 350, Sigma 10-20mm, bei 10mm, unbeschnitten) aufgenommen. Mir war im Moment des Auslösens klar, ein nicht optimales Bild aufgenommen zu haben. Der Grund: Faulheit. Ich hatte mich nach dem Ablichten des Rapsfeldes einfach umgedreht. Ich habe mich dann aufgerafft, bin der Straße nach rechts etwa 100m nach rechts gefolgt und schließlich zu diesen Bildergebnis gekommen.

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(Sony Alpha 350, Sigma 10-20mm, bei 20mm, unbeschnitten)

Ich finde die 100m haben sich echt gelohnt.
Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. >>Albert Einstein 1954<<
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