Kapitel 8: Landschaftsfotografie II

auch für Kompaktkameras!

Kapitel 8: Landschaftsfotografie II

Beitragvon rst » Mi 14. Jul 2010, 17:04

Landschaftsfotografie, Teil 2

Bild

Hullerner Heide (Haltern am See) Bridge Panasonic FZ 50, 1/400 sec, F7,1, 69 mm KB, Standardprogramm, Mond nach dem Verkleinern in Originalgröße in das verkleinerte Bild montiert.

Wir setzen heute unsere Betrachtungen zur Landschaftsfotografie fort


Aspekt 3: Das Motivprogramm Landschaft unserer Kamera

Fast alle Kompaktkameras, Bridgekameras und auch viele DSLR-Kameras haben sogenannte Motivprogramme oder Scene-Programme für verschiedene Aufnahmesituationen. Die gängigsten dieser Programme sind für Landschaftsaufnahmen, für Sportaufnahmen, für Portraitaufnahmen und für Nachtaufnahmen vorgesehen.

Je weniger Einstellungsmöglichkeiten unsere Kamera uns lässt, um so wichtiger sind solche Motivprogramme. Diese Motivprogramme erlauben uns nämlich, die Kamera in andere (als den normalen) Automatikmodi zu versetzen. In digitalen Kameras sind davon zwei Gruppen von Einstellungen betroffen: Die Einstellungen der Kamera für die Aufnahme (Zeit, Blende, etc.) sowie die Vorgaben (Parameter) für die Bildentwicklung mittels des Bildprozessors in der Kamera, der aus den Sensordaten JPG-Bilder generiert. Siehe dazu auch Kapitel 3 dieses Kurses.

Leider sind die Beschreibungen der Hersteller zur Wirkung des Motivprogramms Landschaft sehr spärlich, oft überhaupt nicht vorhanden. Folgende Einstellungen scheinen aber den Kern der Landschaftsprogramme auszumachen.

Für die Aufnahme:
möglichst kleine Blende für große Tiefenschärfe, Einzelbild, Automatische ISO-Wahl im Bereich bis 400 ISO, Blitz aus, Mehrfeld-Belichtungsmessung wenn unterstützt.

Für die Entwicklung:
Erhöhte Farbsättigung, erhöhte Kontraste, leicht erhöhte Schärfe, Korrektur des Weissabgleichs in Richtung kühl, Dynamik-Optimierung (versucht in hellen und dunklen Stellen noch Struktur sichtbar zu machen)

Um deutlich zu machen, wie sich diese Unterschiede (hier: in der Entwicklung) auswirken, habe ein Bild, welches unentwickelt (im RAW-Format) vorliegt, zunächst mit dem Sony RAW-Konverter in Standard-Einstellung entwickelt. Hier das Ergebnis:

Bild

Lindenalle im Rombergpark, Dortmund, Alpha 700, Sigma 70-300 APO bei 120mm (180 mm KB), ISO 800, 1/125 sec, F4, Programmautomatik

Der Sony-Konverter „kennt“ im Gegensatz zu anderen Konvertern die Motivprogramme der Sony-Kameras und man kann ihm deshalb ganz einfach nachträglich sagen, er solle das Bild nach dem Motivprogramm Landschaft entwickeln. Hier das Ergebnis:

Bild


Bevor Ihr nun schimpft, dass beide Bilder gleich aussehen, zwei Dinge. Erstens, sie sehen nicht gleich aus (Kontraste an den Armlehnen der Bänke, höhere Farbsättigung im grünen Schimmer auf dem Boden sowie im Blätterdach,...), Ihr müsst nur genau hinschauen und zweitens geht es bei der Bildentwicklung um das Erzeugen druckfertiger JPG-Dateien. Da kommt es schon auf die Nuancen an.


Aspekt 4: Die Lage der Horizontlinie

Die Lage der Horizontlinie in der Landschaftsfotografie ist ein oft diskutiertes Thema. Bilder bei denen die Horizontlinie in der Mitte der Bildhöhe liegt, gelten als statisch und wirken oft weniger attraktiv. In Abhängigkeit vom Motiv sollte die Horizontlinie auf ein Drittel der Bildhöhe oder darunter(Himmel wird betont und ist zumindest Teil des Motivs) abgesenkt, oder, spielt der Himmel für das Motiv nur eine geringe Rolle, auf zwei Drittel der Bildhöhe oder mehr angehoben werden.
Leider scheint es keine Faustregeln für den Fall zu geben, in dem Teile des Motivs die Horizontlinie überragen oder das ganze Motiv eingerahmt wurde. Siehe dazu Kapitel 7.

Beispiele:

Als Beispiel für eine abgesenkte Horizontlinie mag das Titelbild dieses Kapitels (ganz oben auf der Seite) dienen. Der Mond ist wesentlicher Teil der Bildkomposition, der Himmel nimmt daher einen großen Teil des Bildes ein.

Bild

Morgenstimmung in den Feldern, Wetter, Canon IXUS 400, 1/160 sec, F7,1, 35mm KB

Bei diesem Bild liegt das Hauptgewicht eindeutig auf dem reifen Kornfeld, das im Morgendunst golden leuchtet. Der Himmel spielt sachlich eine untergeordnete Rolle, was mit seiner geringen Ausdehnung übereinstimmt.

Für meinen Geschmack erfordern ab und an auch Motive den Horizont in der Mitte. Ein Beispiel:

Bild

Rhein in Bonn, Alpha 700, Sony SAL 16105 bei 16mm, KB 24mm, ISO 200, 1/400 sec, F10

Eine Verschiebung der Horizontlinie ändert hier den Bildcharakter in ungewünschter Weise. Auch hier ist die Problematik der Einrahmung zu sehen. Bei einer Verschiebung der Horizontlinie, würde der Vordergrund zumindest teilweise verloren gehen.

Die wichtigste Regel zur Horizontlinie zum Schluss:

Die Horizontlinie hat waagerecht zu sein. Wasserwaagen, die eine gerade Ausrichtung der Kamera auf einem Stativ erlauben, sind in vielfältiger Form im Fachhandel verfügbar.


Aspekt 5: Linien und Strukturen lenken das Auge des Betrachters

Nicht nur bei der Landschaftsfotografie (aber dort besonders) gilt eine Bildkomposition dann als besonders geglückt, wenn andere Bildelemente das Auge des Betrachters auf das Hauptmotiv hinlenken. Dieses Hauptmotiv sollte sich, zumindest in Teilen, kontrastreich vom Hintergrund abheben.

Als besonders geeignete Bildelemente können Wege, Zäune, Geländer, Baumreihen, Ackerfurchen, etc. genannt werden.

Betrachten wir zunächst dieses Beispiel:

Bild

Wirtschaftsweg bei Schillingsfürst, Sony Alpha 700, SAL 16105 bei 16mm, KB 24 mm, ISO 200, 1/320 sec., F10

Auf diesem Bild kann man wunderbar beobachten, wie der Blick des Betrachters auf einen Punkt (hier außerhalb der Mittelachsen) gelenkt wird. Trotzdem bleibt etwas Unbefriedingendes: Das Hauptmotiv fehlt.

Das nächste Bild ist zwar sehr einfach aufgebaut, hat aber ein Hauptmotiv (die beiden Bäume) und wirkt deshalb harmonischer.

Bild

Wirtschaftsweg bei Hattingen, Sony Alpha 700, SAL 16105 bei 40mm, KB 60 mm, ISO 200, 1/125 sec., F6,3

Der Hund gehört da eigentlich nicht hin, aber das interessiert ihn überhaupt nicht.

Wo er ist, ist vorne.
Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. >>Albert Einstein 1954<<
Benutzeravatar
rst
 
Beiträge: 2966
Registriert: So 27. Jun 2010, 19:09
Wohnort: Wetter (Ruhr)

Zurück zu Grundkurs

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron