Kapitel 2: Arbeiten mit dem Autofokus

auch für Kompaktkameras!

Kapitel 2: Arbeiten mit dem Autofokus

Beitragvon rst » Sa 3. Jul 2010, 11:18

Unsere Kompakten sind, wie bereits erwähnt, mit einer Fülle von Automatikfunktionen ausgestattet, die dem unbedarften Knipser erlauben weitgehend sorgenlos den Auslöser zu betätigen. Die Automatiken bestimmen dann ALLES. Weissabgleich (kriegen wir später), Blende, Belichtungszeit und auf was scharfgestellt wird.

Da wir gerade lernen zu besseren Bildern zu kommen, müssen wir die Kamera zwingen ihre Bevormundung teilweise aufzugeben, und das zu tun, was wir wollen. Das heißt wir müssen die Wirkung der Automatikfunktionen (in diesem Kapitel des Autofokussystems, kurz AF) soweit beschränken, dass wir bestimmen können, was scharf gestellt wird.

Deshalb nehmen wir unsere Bedienungsanleitung zur Hand, schalten die Gesichtserkennung und die automatische Wahl des Schärfepunktes ab. Der Modus, den wir brauchen könnte Spotmessung oder mittebezogene Messung oder so ähnlich heißen. Achtung !!! Wir reden vom Autofokus nicht von der Belichtungsmessung.

Wenn ihr euch die Mühe nicht macht, könnt ihr die nachfolgende Lektion mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht praktisch nachvollziehen.

Ein Hinweis in eigener Sache: Die Fotos vom Bildschirm meiner Kompaktkamera sind mit einer Spiegelreflexkamera mit Makroobjektiv aus geringer Entfernung aufgenommen. Die Wiedergabe der Bildschirmanzeigen hier im Kurs übersteigt die Originalgröße des Bildschirms erheblich. Ihr seht deshalb deutlich die einzelnen Pixel der Bildschirmanzeige. Da wir hier lernen wollen wie es geht, kommt es allein auf den Informationsgehalt der Bilder an, nicht auf Schönheit. Erklärungen habe ich mit schwarzer Schrift auf den Bildschirm gegimpt.

Der besseren Steuerbarkeit wegen, sind die Aufnahmen inhouse entstanden wobei ich eine der beiden Makroeinstellungen der Kompakten nutzte. Die Erklärungen gelten und funktionieren auch draußen und außerhalb des Makrobereichs.


Zurück zum Thema. Die Kamera benutzt also ein Autofokussystem zum Scharfstellen. Zwei erlärungswürdige Begriffe in einem Satz.

scharfstellen

Fast jedes Objektiv muss vor der Aufnahme scharf gestellt werden.

Eine Ausnahme machen dabei die sogenannten Fixfokusobjektive die heute insbesondere im Handy und in der Einwegkamera zum Einsatz kommen. Noch vor nicht allzu langer Zeit ärgerten sich jedes Jahr tausende von Urlaubern über die meist erbärmliche Qualität ihrer Bilder, die Sie mit einer der intensiv beworbenen Billigknipsen geschossen hatten. Neben der Tatsache dass die Geräte billig waren, stellen die Hersteller die einfache Bedienung heraus. Durch den Sucher schauen und abdrücken. Diese einfache Bedienung wurde damals nicht etwa durch raffinierte Automatiken ermöglicht, sondern ganz einfach durch ein Objektiv welches ab einer bestimmten Mindestentfernung alles bis zum Horizont scharf abbildet. So etwas geht deutlich zu Lasten der Abbildungsqualität. Erst recht, wenn es nichts kosten darf.

Alle anderen Objektive müssen scharfgestellt werden. Dies kann manuell über einen Einstellring oder automatisch (siehe Autofokus) erfolgen. Letztlich wird beim Scharfstellen das Innenleben des Objektivs vor oder zurück bewegt, um den Abstand zur Film- oder Sensorebene zu verändern. Dabei gilt: Motiv nah – Abstand Optik zu Filmebene groß; Motiv fern – Abstand Optik zu Filmebene klein.
Autofokussysteme machen das Gleiche. Nur wird der Einstellring motorisch bewegt.

Sehr schön kann man diesen Vorgang des Scharfstellens bei klassischen Ferngläsern beobachten.



Und was ist der Autofokus?


Autofokus

Fast alle heute angebotenen Kameras werden mit Autofokussystemen [AF] ausgeliefert. Diese Systeme sollen nach Aktivierung das Objekt scharfstellen. Das dies mitunter problematisch ist wissen viele aus eigener Erfahrung. Als die Technik sich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts am Markt durchsetzte (ja, länger ist das noch nicht her) wurde gespottet Autofokus sei ein Schreibfehler – eingentlich müsste es out of Focus (unscharf) heißen. Der Spott war so unbegründet nicht.

Man unterscheidet aktive und passive Autofokussysteme. Aktive Systeme spielen bei den heutigen Fotoapparaten keine Rolle mehr. Einige Zeit setzte ein Hersteller von Sofortbildkameras ein aktives System auf Ultraschallbasis ein. Bei den passiven System unterscheidet man die Kontrastmessung und den Phasenvergleich. Der Phasenvergleich gilt als das bessere Verfahren, ist jedoch deutlich aufwändiger und daher eher in hochwertigen Kameras zu finden.

Für uns ist wichtig: Passive AF-System arbeiten mit dem vom Motiv reflektierten Licht.
Damit das funktioniert, brauchen wir Licht und Kontrast auf den scharfgestellt wird. Manche Kameras haben ein eingebautes AF-Hilfslicht welches das System bei wenig Licht und geringen Entfernungen unterstützt.

Fehlt Licht oder Kontrast haben wir ein Problem.


Wir nehmen uns unsere hoffentlich in der Zwischenzeit auf Spot-AF umgestellte Kamera zu Hand, schalten diese ein und richten sie auf das Motiv. Das schaut dann etwa so aus:


Bild


Dies ist der normale Bildschirm der Olympus mju 830. In der Mitte die AF-Markierung.

Im Uhrzeigersinn die Bedeutung der anderen Anzeigen. Auf 2 Uhr ist gekennzeichnet, dass der Blitz abgeschaltet ist. Auf 5 Uhr steht, dass die Bildspeicherung auf einer xD-Picturecard erfolgt und noch etwa für 497 Bilder Platz ist. Auf 6 Uhr steht die aktuell eingestellte Bildauflösung. Auf 7 Uhr sieht man den Marker für den AF in Spot-Einstellung; auf 8 Uhr die eingeschaltete Makrofunktion; auf 10 Uhr den eingeschalteten Verwacklungsschutz und auf 11 Uhr das gerade wirksame Automatikprogramm.

Wir wählen also den Bildausschnitt und drücken vorsichtig den Auslöser bis zum Druckpunkt. So aktivieren wir das Autofokussystem. Das System versucht nun auf das in der AF-Markierung befindliche Bildteil scharfzustellen. Ist das gelungen, piept die Kamera und die Anzeige sieht nun so aus:

Bild


Der grüne Punkt hat hier ausnahmsweise nichts mit dem gelben Sack zu tun, sondern sagt uns dass scharfgestellt ist. Die Olympus legt gleichzeitig Belichtungszeit und Blende fest und zeigt sie uns an.

Wir drücken nun den Auslöser durch und haben unser erstes Bild geschossen:

Bild


Nun komplizieren wir den Aufbau. Ziel ist nach wie vor, die CD scharf abzubilden.

Allerdings haben wir nun störenden Vordergrund.

Bild


Der Bildausschnitt ist exakt der, der abgebildet werden soll. Wir drücken den Auslöser bis zum Druckpunkt, die Kompakte stellt scharf und misst die Belichtung. Dann kommt der grüne Punkt.

Bild


Und wir drücken ab. Ergebnis:

Bild


Wie man leicht sieht, war der grüne Punkt in diesem Fall doch etwas für die Tonne. Was ist passiert?

Auf dem ersten Bild sieht man deutlich, dass die AF-Markierung nicht auf dem Objekt liegt, auf welches wir scharfstellen wollten. Wie geht man in einem solchen Fall, wenn der Schärfepunkt nicht in der Mitte liegt, vor?

Das geht ganz einfach, man muss nur im richtigen Augenblick daran denken.

Erstens: AF-Markierung über den Schärfepunkt legen.

Bild


Zweitens: Auslöser bis zum Druckpunkt betätigen. Die Kompakte stellt scharf und ermittelt die Belichtungszeit.

Bild


Drittens: Auslöser gedrückt halten und und Bildausschnitt wählen.

Bild


Viertens: Auslösen. Ergebnis:

Bild


Fünftens: Freuen! Wir haben ein scharfes Bild.

Man nennt dieses Verfahren auch Verschwenktechnik.

Hier als Extra und zum Abgewöhnen noch ein Beispiel mit eingeschalteter Gesichtserkennung. Wieder Vorder- und Hintergrund aber ein etwas weiteres Blickfeld:

Bild


Das grüne Quadrat ist nicht etwa gegimpt, sondern hier zeigt die Kamera an, auf was sie Scharfstellen möchte! Ich drücke den Auslöser bis zum Druckpunkt und erhalte:

Bild


Die Kamera hat tatsächlich die AF-Markierung verschoben und auf das scharfgestellt, was ihr richtig erschien. Meiner Meinung nach ist ein solches Verfahren für keinen zu gebrauchen, der sich aktiv mit dem Fotografieren auseinandersetzt.
Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. >>Albert Einstein 1954<<
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